Erziehungsfragen - Blog

Angst ist kein Erziehungsmittel

Von julia am 04/12/2018 - 11:28
Stimmung

Kinder sind von sich aus daran interessiert „gut“ mit ihren Eltern zusammen zu leben. Sie sind nicht per se auf Streit oder Provokation aus. Eigentlich sind sie sehr bemüht den Vorstellungen der Eltern zu entsprechen, sogar denen, die den Eltern gar nicht bewusst sind. Leider wird diese grundsätzliche Kooperationsbereitschaft im Alltagstrubel öfters verschüttet (z.B. durch Missverständnisse, Vorurteile, Stress,…).

Beziehungsarbeit und eine sichere Bindung können die Kooperationsbereitschaft wieder aufleben lassen. Kinder, die sich angenommen, wertgeschätzt und respektiert fühlen, sind bereit Kompromisse (im Rahmen ihrer entwicklungsbedingten Möglichkeiten) einzugehen, können auch einmal einen Moment warten, usw.

Leider sind viele der heutigen Eltern in einem ganz anderen Erziehungsdenken aufgewachsen, das sie nun immer wieder einholt. Sie haben selbst erlebt, dass ihnen gedroht wurde, dass sie bestraft wurden, kurz: dass Angst ein Erziehungsmittel sei. Hand aufs Herz: Wer hat nicht gehört, dass man brav sein muss, weil sonst der Nikolaus nichts bringen würde? Wer hat nicht die Drohung gehört, dass man gleich vom Spielplatz heimgehen würde, wenn nicht XY geschieht?

Kinder spüren die Macht, die Erwachsene haben. Wir können nicht leugnen, dass es ein Machtungleichgewicht zwischen Kindern und Erwachsenen gibt – sowohl körperlich, als auch psychisch (entwicklungs- und erfahrungsbedingt). Es geht nur darum, ob wir uns als Erwachsene entschließen diese Macht auszunutzen oder nicht. Das prägt unser Bild vom Kind und somit auch unseren Umgang mit Kindern.

Angst verunmöglicht Lernprozesse

Eigentlich möchten Eltern, dass Kinder durch diese „Erziehungsmaßnahmen“ „etwas für das Leben lernen“.

Genau dann, wenn ihnen etwas besonders wichtig ist sprechen sie eine Drohung aus oder schüren Angst. Leider geht das ganze dann oft nach hinten los. Kinder können unter Stress (und Angst löst Stress aus) nicht lernen. Sie können hier keine wertvollen Erfahrungen sammeln, weil sie nur noch den „Überlebensmodus“ aktiviert haben.

Sie zeigen vielleicht das gewünschte Verhalten, aber nicht, weil sie nun empathisch sind und verstehen, dass es gesellschaftlich z.B. wichtig ist, sondern weil sie Angst vor Bestrafung haben oder Angst die Liebe der Eltern zu verlieren, wenn sie nicht genau das machen, was gefordert wird. Sie lernen nicht Dinge zu hinterfragen (warum ist es wichtig, dass ich XY mache?), sie lernen nicht die Weltsicht der Eltern kennen, usw. Das, was Kinder in dem Moment vor allem lernen ist, dass Größere über Kleinere Macht haben und diese auch ausnützen dürfen. Dieses vorgelebte Modell, werden sie dann auch erfolgreich anwenden – ein Nährboden für Geschwisterkonflikte, Mobbing, usw.

Foto: Maresa Gallauner