Erziehungsfragen - Blog

„Das ist unfair!“ Geschwisterkinder immer gleich behandeln?

Von julia am 17/04/2018 - 09:39
Fairnesszone

Eltern sind zumeist bemüht allen Kindern gerecht zu werden und kein Kind zu benachteiligen. Dabei ist oft die Idee vorherrschend, dass es am fairsten wäre, alle Kinder gleich zu behandeln. Aber ist das immer der Goldene Weg? Wird man so allen Kindern gerecht?

Kinder wollen wahrgenommen werden

Jedes Kind hat je nach Persönlichkeit, Entwicklungsstand und Tagesverfassung unterschiedliche Bedürfnisse. Sie möchten Nähe oder Raum für sich, sie möchten Sicherheit und Orientierung, sie möchten sich erproben dürfen, sie möchten akzeptiert werden, usw.

Kinder haben vor allem das Bedürfnis, dass Erwachsene sie als Individuum sehen und wahrnehmen, was sie in dem Moment wirklich brauchen. Das ändert sich im Tagesverlauf und führt zu einer bestimmten Dynamik innerhalb der Familie.

Kein Kind ist wie das andere

Bedenkt man diesen Prozess, so wird rasch klar, dass es eher selten sein wird, dass alle Kinder zum selben Zeitpunkt das selbe Bedürfnis haben. Bereits der Altersunterschied von Geschwistern trägt dazu bei. Je kleiner der Altersunterschied ist, desto eher wird es dazu kommen, dass Kinder auf die selben Ressourcen der Eltern zurückgreifen möchten bzw. müssen (das macht es für Eltern oft schwieriger). Aber auch da gibt es Unterschiede zwischen z.B. einem sechsjährigen und einem vierjährigen Kind.

Um bei dem Beispiel zu bleiben: ein vierjähirges Kind hat zumeist ein anderes Schlafbedürfnis wie ein sechsjähriges Kind. Beide Kinder zur selben Uhrzeit ins Bett zu schicken wird mindestens einem Kind nicht gerecht (entweder ein Kind ist übermüdet oder das andere vielleicht noch nicht müde).

Frustrationen aushalten

Es kann Kinder frustrieren, wenn sie das Gefühl haben, dass ein Geschwisterkind mehr darf als es selbst. Vor allem im späten Kindesalter oder unter Jugendlichen werden viele Vergleiche gezogen. Hier ist die enge Begleitung durch die Eltern gefragt. Es geht darum, dass Kinder lernen zu differenzieren und zu erkennen, dass es nicht darum geht ein Kind zu bevorzugen, sondern jeweils den Entwicklungsinteressen zu folgen.

Es ist hilfreich, wenn Eltern versuchen von Anfang an Vergleiche zu vermeiden. Jedes Kind ist ein Individuum, mit seinen Stärken und Schwächen. Das stärkt das Selbstvertrauen und trägt dazu bei, dass nicht ständig Vergleiche gesucht werden.

 

Foto: Maresa Gallauner