Kinder brauchen Kinder – Freundschaften, Konflikte, Entwicklungsfelder

Erziehungsfragen - Blog

Kinder brauchen Kinder – Freundschaften, Konflikte, Entwicklungsfelder

Von julia am 13/09/2016 - 08:14
Friendship

Von Klein an sind Kinder von anderen Kindern fasziniert. Bereits Babys schenken anderen Babys und Kleinkindern gerne Aufmerksamkeit. Kinder beobachten dabei genau, was andere Kinder spielen, wie sie dabei mit Gegenständen umgehen, welche Worte gewählt werden, wie sie dabei mit anderen Menschen umgehen, und vieles mehr.

Soziale und kognitive Fähigkeiten entwickeln sich

Kinder lernen im Spiel. Das freie, selbstbestimmte Spiel ist das beste Betätigungsfeld für Kinder. Gehen Kinder ihren eigenen Spielideen nach, beschäftigen sie sich mit Gegenständen in genau dieser Weise, die ihrer Entwicklung entspricht. Außerdem lernen Kinder durch Nachahmung. Erwachsene können ein Vorbild sein, aber oftmals ist das Lernen durch Gleichaltrige für Kinder näher. Das liegt daran, dass Kinder sich auf Augenhöhe begegnen. Sie fühlen sich als gleichberechtigt und das hilft bei der Ausbildung sozialer Fähigkeiten. Kinder diskutieren, verhandeln, lernen Kompromisse einzugehen, sich durchzusetzen, Argumente für ihre Ideen vorzubringen, Regeln auszuhandeln, usw. Lässt man Kindern dabei freie Hand, dann ist es für Erwachsene oft interessant zu sehen, wie fair es dabei zugeht und wie selbsverständlich alle darauf achten, dass ausgemachte Regeln eingehalten werden, bzw. wie rasch sanktioniert wird, wenn ein Kind die gemeinsamen Regeln missachtet.

Aber auch im kognitiven, motorischen und kreativen Bereich finden Entwicklungen statt. Kinder lernen durch den Umgang mit anderen Kindern sowohl im sprachlichen, als auch im kognitiv-kreativen Bereich. Sie sehen, wie andere Kinder Probleme lösen oder stoßen auf interessante Aufgaben, die sich andere Kinder stellen. Ein Kind sieht z.B. ein Kind auf einen Turm klettern und versucht es auch. Es beobachtet vielleicht genau, wo es seine Füße abstützt, welche Balken es nutzt, um sich hochzuziehen, usw.

Das Spielverhalten ändert sich

Zunächst spielen Kleinkinder vor allem im Beisein anderer Kinder und Babys. Gleichaltrige interessieren sie dabei am meisten. Es kommt jedoch nur bedingt zu einem gemeinsamen Spiel, selbst wenn Kinder nebeneinander mit dem selben Material spielen (und es von außen vielleicht so aussieht, als würden sie zusammen spielen), so verfolgt jedes Kind seine Spielidee, die in seinem Entwicklungsinteresse steht. Bereits bei Babys kann man jedoch beobachten, dass sich erste Kontakte anbahnen, dass ein Baby einem anderen einen für es interessanten Gegenstand versucht zu reichen oder dass ein Gegenstand, der für es interessant ist, auch weggenommen wird.

Etwa mit dem Eintritt ins Kindergartenalter, mit 3 Jahren, beginnt das gemeinsame Spiel. Es werden Spielpartner gewählt, die ähnliche Interessen verfolgen, es werden Spiele initiiert und oft werden Spiele auch gemeinsam beendet.

Freundschaft und Konflikt

Im Kindesalter haben Freundschaften oft nicht lange Bestand. Es werden andere Kinder zum Spielen gewählt, die gerade für die angestrebte Betätigung passend sind. Je jünger Kinder sind, desto eher sind ihnen Merkmale wie Geschlecht, soziale, religiöse und ethnische Zugehörigkeit egal. Die Bezeichnung „Freund“ oder „Freundin“ wird dabei sehr rasch „vergeben“ oder auch wieder „zurückgenommen“. Selbst im Grundschulalter welchselt der Status „beste Freundin“ oder „bester Freund“ oft noch häufig. Das zeigt, dass Freundschaft und Konflikt, gemeinsames Spielen und Streit bei Kindern noch sehr dicht beisammen liegen.

Können Eltern Kinder unterstützen?

Freundschaften sind für Kinder sehr wichtig. Vielleicht weckt dieses Wissen bei Eltern das Bedürfnis ihren Kindern zu helfen Freunde zu finden, gerade wenn das eigene Kind vielleicht eher schüchtern oder zurückhaltend ist.

Es ist jedoch ratsam ein wenig abzuwarten, bevor man Kontakte für das Kind herstellt. Auch wenn Kinder vielleicht einige Anläufe benötigen, mit der Zeit lernen sie, wie sie am besten Spielpartner für sich gewinnen können – auch das ist eine Sozialkompetenz, die sich in diesem Feld entwickelt. Wird ein Kind oftmals aufgefordert „Komm, frag den Jungen halt, ob er mit dir Ball spielen will“, anstatt zu warten, ob nach einer Phase der Beobachtung nicht doch versucht wird, ein gemeinsames Spiel zu starten, so nimmt man dem Kind nicht nur das Erfahrungsfeld, sondern man vermittelt ihm auch noch, dass es sich nicht so verhält, wie die Eltern es sich von ihm erwarten würden. Das schwächt das Selbstvertrauen und hilft dem Kind in den darauf folgenden Spielsituationen nicht.

Merken Eltern, dass ihr Kind in größeren Kindergruppen eher überfordert ist, so können Situationen herbeigeführt werden, in denen das Kind vielleicht nur auf ein oder zwei andere Kinder trifft. Es können Nachbarn oder Freunde mit Kindern eingeladen werden, oder Kinder aus dem Kindergarten, die für das eigene Kind immer wieder interessant sind (hier kann auch mit den Erziehern und Erzieherinnen Rücksprache gehalten werden). Je ähnlicher die Spielinteressen der Kinder sind, desto eher gelingt ein gemeinsames Spiel.

Auch solche initiierten Treffen sollten aber zwanglos sein. Das andere Kind ist auch einfach da, die Eltern unterhalten sich, es gibt vielleicht eine Kleinigkeit zu essen und zu trinken und die Kinder kommen ins Spiel. Und wenn nicht? Dann sollte auch das wertungsfrei angenommen werden. Manchmal müssen sich Kinder einige Male sehen, bevor sie anfangen gemeinsam zu spielen.

 

Foto: Rainier Martin Ampongan CC BY 2.0