Erziehungsfragen - Blog

Nachgedacht: Nikolaus, Weihnachtsmann und Christkind sind keine Erzieher

Von julia am 05/12/2016 - 07:27
Weihnachtsstimmung

Nun ist sie wieder da – die Weihnachtszeit. Gleich zu Beginn der Adventzeit steht der Nikolaustag an. Kinder freuen sich, wünschen sich das eine oder andere und haben zumeist eine gewisse Erwartungshaltung das Gewünschte auch zu bekommen. Zu beobachten ist deshalb, spätestens ab November, dass Eltern (bewusst oder unbewusst) den Nikolaus als Komplizen in der Erziehung einsetzen. Zu hören sind Sätze: „Wenn du nicht brav bist, dann bringt dir der Nikolaus kein Geschenk“ oder auch „Wenn du jetzt nicht aufräumst, dann braucht dir der Nikolaus nichts zu bringen“. Kinder, gerade wenn sie sich im magischen Alter, etwa 3 bis 5 Jahre, befinden, nehmen diese Drohung sehr ernst. Sind Kinder älter, können solche Drohungen dazu führen, dass sie die Eltern entweder nicht ernst nehmen (weil sie wissen, dass sie so und so etwas bekommen werden) oder sie ersetzen einfach den Nikolaus durch ihre Eltern und wissen, dass sie, wenn sie nichts bekommen, nicht den Nikolaus beschuldigen müssen. Die Beziehung zu den Eltern leidet unter Drohungen. Doch kaum wurde St. Nikolaus gefeiert, wird das Christkind oder der Weihnachtsmann in die Pflicht genommen bei der Erziehung zu helfen. Kleine Kinder können auch den Umfang oder die Realisierbarkeit von Drohungen nicht einschätzen. Für sie sind Sätze wie: „Wenn du nicht brav bist, dann lassen wir dieses Jahr Weihnachten ausfallen“ eine ernste Angelegenheit.

Es gibt sie, die schwierigen Zeiten im Zusammenleben mit Kindern. Zeiten, in denen nichts zu funktionieren scheint, in denen Konflikte quasi vorprogrammiert sind, die turbulent und unruhig sind. Dann ist die Festigung der Beziehung gefragt, es müssen vielleicht Strukturen überdacht und (gemeinsam mit dem Kind, wenn das altersgemäß ist) neu ausgehandelt werden. Drohungen bringen meist nicht den gewünschten Erfolg, meist wirken sie, wenn überhaupt, nur kurzfristig und das zu einem hohen Preis. Drohungen müssen wiederholt und verschärft werden...irgendwann sind sie meist wirkungslos. Ein Zusammenleben ist so kaum mehr möglich. Der Familienalltag gleicht eher einem Kampf.

Da hilft es auch nichts, wenn die Drohungen im Namen anderer ausgesprochen werden. Kleine Kinder verunsichert es zu tiefst. Sie sind im magischen Denken und glauben daran, dass Nikolaus oder Christkind nichts bringen werden (deshalb funktionieren in diesem Alter Drohungen dieser Art zumeist). Die Kinder befinden sich aber in einem Konflikt, wenn in Geschichten vom gütigen Nikolaus erzählt wird und er sich dann anmaßt einem Kind (wegen einer Bagatelle) nichts zu schenken. Kinder bekommen so ein schiefes Bild vermittelt. Sie können so z.B. gar nicht verstehen, was Güte bedeutet, was der Legende nach der Heilige Nikolaus für die Menschen getan hat. Ganz abgesehen davon, dass durch solche Drohungen der Konsum als zentrales Element des Brauchs platziert wird – aber das ist eine ganz andere Geschichte.

 

Foto: Maresa Gallauner