Mit Kindern reden – Kindern zuhören

Erziehungsfragen - Blog

Mit Kindern reden – Kindern zuhören

Von julia am 24/05/2016 - 11:34
Room For One More?

Kommunikation hat heutzutage einen hohen Stellenwert. Wir verfügen über unzählige Kommunikationsmittel und -wege, man denke nur an die neuen Medien, soziale Netzwerke, usw. Warum fällt uns manches Mal Kommunikation trotzdem so schwer?

Vielleicht sind die eben angeführten Kommunikationsmittel auch der Grund dafür, dass uns das direkte Gespräch so schwer fällt? Wie oft ertappen wir uns, dass wir lieber eine E-Mail schreiben oder ein Kontaktformular ausfüllen, als anzurufen oder einen Termin zu einem persönlichen Gespräch zu vereinbaren?

Kommunikationswege in der Familie

Die Kommunikation in der Familie läuft üblicherweise hauptsächlich über direkte Wege ab, vor allem, wenn wir mit Kindern sprechen. Je jünger das Kind ist, desto enger, bzw. direkter ist der Kommunikationsweg. Sprechen wir mit einem Baby, dann ist dies meist durch Körperkontakt begleitet. Erst mit zunehmendem Alter des Kindes wird nach und nach auch eine räumliche Distanz hergestellt, bzw. funktioniert Kommunikation auch über weitere Wege. Dies beginnt oft im Krabbelalter, wenn das Baby selbst Nähe und Distanz bestimmen kann. Oder denken wir an Spielsituationen, z.B. auf Spielplätzen, in denen Kinder den Eltern etwas zurufen. Im späten Kindes- bzw. im Jugendalter werden dann vielleicht Telefonate geführt, SMS geschrieben oder andere Kommunikationswege genutzt.

Auch wenn die räumliche Distanz zunehmend größer werden kann, sollte die emotionale Nähe als sichere Basis erhalten bleiben. Das Kind muss wissen und spüren, dass es immer zu den Eltern kommen kann, die räumliche Distanz aufgehoben werden kann, bis wieder der Körperkontakt in die Kommunikation aufgenommen wird. Was ist wichtig, damit Kommunikation auf diesem Wege erfolgen kann?

Das Kind als Subjekt wahrnehmen

Egal um welchen Aspekt in der Erziehung es sich handelt, das Kind sollte immer als Subjekt wahrgenommen und angenommen werden. Ein Kind möchte bedingungslos geliebt werden. Das Kind, egal welchen Alters, hat eigene Bedürfnisse, Ideen, Anliegen, Gefühle, usw. Es möchte als individueller Mensch ernst genommen werden. Auch wenn ein Mensch erst wenige Minuten alt ist, haben seine Bedürfnisse den gleichen Stellenwert wie unsere. Das Kind ist kein Objekt der Erziehung.

Das liest sich nun vielleicht sehr selbstverständlich, aber denken wir einen Moment darüber nach:

  • Wie oft sprechen wir im Beisein des Kindes ÜBER das Kind, statt es in ein Gespräch mit einzubeziehen?
  • Wie oft machen wir uns Gedanken, was für ein Kind das Beste ist, und vergessen ganz dabei, einfach das Kind zu fragen (hierbei gilt es natürlich das Alter des Kindes zu beachten!), um zumindest seine Sicht in die Entscheidungsfindung miteinbeziehen zu können?
  • Wie oft hören wir nur „so nebenbei“ zu, wenn das Kind etwas erzählt, weil wir auch noch überlegen, was wir noch einkaufen müssen, die Wäsche bügeln oder die Zeitung lesen möchten?

Diese Liste ist, wenn wir ehrlich mit uns sind, noch zu vervollständigen. Natürlich ist es in Ordnung auch mal die Zeitung zu lesen oder eine Einkaufsliste zu schreiben. Die Frage ist nur, wie dies kommuniziert wird. Weiß das Kind, dass ich ihm gerade nicht gut zuhören kann? Vielleicht entscheidet es sich dann, Wichtiges zu einem anderen Zeitpunkt zu erzählen.

Auf Augenhöhe kommunizieren

Bei kleinen Kindern kann dies nun wirklich wörtlich genommen werden. Begeben Sie sich auf Augenhöhe mit Ihrem Kind, vor allem, wenn Sie ihm etwas sagen möchten, was für Sie sehr wichtig ist, oder wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Kind Ihnen nun etwas sagen möchte, das ihm sehr am Herzen liegt. Auf Augenhöhe kommunizieren heißt aber auch, das Kind als Gesprächspartner ernst zu nehmen. Auch wenn es Ihnen nicht wichtig erscheint, Ihrem Kind ist das Gesagte vielleicht sehr wichtig, es möchte Ihnen etwas unbedingt erzählen. Diese Haltung dem Kind gegenüber ist vom Alter unabhängig. Auch ein Baby möchte seinen Eltern seine Bedürfnisse mitteilen.

Hören Sie Ihrem Kind zu

Sie möchten, dass Ihr Kind Ihnen zuhört, wenn Sie etwas sagen? Seien Sie ein gutes Vorbild und hören Sie Ihrem Kind gut zu, wenn es mit Ihnen spricht. Signalisieren Sie dies auch mit Ihrer Körperhaltung, reformulieren Sie wichtige Aspekte, stellen Sie Fragen – kurz: zeigen Sie Interesse an dem, was Ihr Kind Ihnen erzählt. Bestätigen Sie die Gedanken und Gefühle Ihres Kindes, helfen Sie Ihrem Kind seine Gefühle, eine Situation oder Ähnliches selbst zu verstehen. Können Sie aktiv zuhören, dann fühlt sich Ihr Kind angenommen, ernst genommen und verstanden und übernimmt mit der Zeit einige dieser Kommunikationsstrukturen. Es lernt zuzuhören und es erfährt, dass es mit dem, was es bewegt zu Ihnen kommen kann. Dabei ist es wesentlich, dass versucht wird das zu hören, was Ihr Kind eigentlich sagen möchte.

Das Anliegen hinter dem Gesagten

Sie kennen das vielleicht, Sie kochen gerade das Mittagessen, Ihr Kind kommt mit einem Buch und möchte, dass Sie ihm vorlesen. Sie sagen Ihrem Kind, dass Sie nun keine Zeit haben, Sie würden nun das Mittagessen kochen, und schicken das Kind spielen. Einige Minuten später kommt das Kind mit einem Kartenspiel, möchte, dass Sie mit ihm spielen. Sie weisen es wieder darauf hin keine Zeit zu haben, es wüsste doch, dass es sonst kein Mittagessen gäbe, wenn Sie nicht kochen könnten. Das Kind geht, kommt einige Minuten später wieder mit einem Spielzeug, usw.

Sie haben das Gefühl, dass Ihr Kind Ihnen nicht zuhört, Sie werden vielleicht ungeduldig oder verärgert. Probieren Sie jedoch herauszufinden, welches Bedürfnis Ihr Kind gerade haben könnte, was es Ihnen eigentlich versucht zu sagen. In diesem Fall könnte es sein „bitte verbringe Zeit mit mir“ oder „bitte bleibe in Kontakt mit mir“. Es ist zumindest einen Versuch wert, das Kind dahingehend anzusprechen, z.B.: „Ich kann zwar leider jetzt nicht lesen/spielen, aber du kannst dich zu mir stellen und mir kochen helfen“. Das Kind bekommt vermittelt, dass sein Vorschlag zur Kontaktaufnahme gerade nicht möglich ist, bekommt jedoch einen anderen Vorschlag unterbreitet. Das Bedürfnis des Kindes wird ernst genommen, auch wenn sein Wunsch gerade nicht erfüllt werden kann.

Kommunikation ist nicht nur das gesprochene Wort

Bereits Babys verfügen über Möglichkeiten ihre Bedürfnisse mitzuteilen, lange bevor sie Wörter benutzen. Hören Sie Ihrem Baby zu und legen Sie auf diese Weise den Grundstein für gelingende Kommunikation. Mit einfachen Mitteln kann einem Baby so die Basis geläufiger Kommunikationsstrukturen nahegebracht werden. Denken Sie an folgende Situation:

Ihr Baby brabbelt. Sie nehmen das wahr und nehmen Blickkontakt auf. Ihr Baby sieht nun, dass Sie seine Kontaktaufnahme verstanden haben. Es brabbelt weiter, Sie nicken oder lächeln. Sie warten, bis das brabbeln leiser wird oder verstummt, dann antworten Sie Ihrem Baby, z.B. „Heute hast du mir viel zu erzählen“. Sie warten ab, ob Ihr Baby wieder antwortet.

In diesem Beispiel erfährt Ihr Baby, dass Sie seiner Erzählung Raum geben, dass Sie es wichtig finden ihm zuzuhören oder auch, dass man einander aussprechen lässt.

Beachten Sie auch das Schreien Ihres Babys. Schreien ist für ein Baby sehr anstrengend und drückt Not aus. Babys schreien nicht, weil Sie Mama oder Papa ärgern möchten, solch planvolles und empathisches Verhalten ist in diesem Alter noch gar nicht möglich. Wird ein Baby schreien gelassen, dann erfährt es, dass seine Not nicht gehört wird, es niemanden gibt, der sein Anliegen wahrnimmt bzw. versucht sein Bedürfnis zu befriedigen. Einem schreienden Baby Trost zu spenden hat nichts mit Verwöhnen zu tun. Auch wenn Ihr Baby nicht innerhalb weniger Minuten aufhört zu weinen spürt es, dass es mit seinen Gefühlen nicht alleine gelassen wird, es wird so angenommen wie es ist (auch mit seinem Ärger, seiner Angst, seiner Wut), es wird gehalten, versorgt und erfährt so Annahme und Achtsamkeit. Ein Baby darf weinen oder schreien. Es darf seinen Gefühlen Ausdruck verleihen.

Achten Sie auch auf die Körpersprache Ihres Kindes. Die Körpersprache unterstreicht oftmals das Gesagte oder Sie können die Absicht des Kindes vielleicht besser erkennen.

Foto: Tony Alter CC BY 2.0

Das könnte Sie auch interessieren: Was Kinderbilder uns erzählen