Kinderkrippe, Tageseltern, (Leih-)Großeltern,… - Worauf kommt es bei der Fremdbetreuung an?
Irgendwann stellt sich diese Frage in allen Familien: wie gehen wir mit dem Thema Fremdbetreuung um? Und obwohl die Frage in jeder Familie aufkommen wird, so sieht die Lösung doch immer ein wenig anders aus – sind doch die Bedürfnisse einer Familie ganz unterschiedlich.
Was ist „Fremdbetreuung“
Ganz klassisch gesehen meint Fremdbetreuung jede Form der Betreuung von Kindern, die außerhalb der Kernfamilie – meist sind das Vater und Mutter – stattfindet. Dieses Konzept kann jedoch in Frage gestellt werden, betrachtet man die jeweilige Lebenssituation einer Familie. Lebt eine Familie z.B. generationenübergreifend, so können z.B. die Großeltern ebenfalls zum Familienkern gezählt werden. Anders kann aber z.B. aus der Perspektive eines (gestillten) Säuglings Fremdbetreuung schon dort anfangen, wenn nicht die Mutter Pflege und Umsorgung übernimmt, sondern der Vater z.B. abgepumpte Muttermilch füttert oder stundenweise das Baby umsorgt. Es wird deutlich, dass ein sehr klar erscheinendes Konzept sehr viele Varianten und Möglichkeiten zulässt und es auch stark auf das Erleben der Kinder ankommt, ob sie etwas als Fremdbetreuung ansehen oder nicht.
Großeltern, Tageseltern, Kindergruppe….
Glücklicherweise gibt es sehr unterschiedliche Betreuungsformen, welche es, auch in kombinierter Weise, ermöglichen Zeitfenster für Beruf, Zeit als Paar,...zu schaffen. Einige grundlegende Fragen sollten sich Eltern stellen, wenn sie über Fremdbetreuung nachdenken:
- Wofür möchte/muss ich diese Zeitfenster nutzen?
- Wie viele Stunden in der Woche benötigen wir Betreuung?
- Wie flexibel sollte/muss diese sein?
Beantwortet man diese Fragen, so wird oftmals deutlich, dass eine breitere Palette an Möglichkeiten offen steht, als zuerst gedacht. Nicht immer ist eine Kinderkrippe (Crèche) die einzige Option oder beste Wahl. Gerade wer eine flexible Möglichkeit sucht, für wenige Stunden in der Woche ist oftmals mit einer solchen Lösung gar nicht so gut bedient, wobei es da auch auf den jeweiligen Standort ankommt. Aufgrund der langen Öffnungszeiten von Kinderkrippen erfolgt unter Tags ein Wechsel der Betreuungspersonen und es kann vorkommen, dass die Hauptbezugsperson eines Kindes gar nicht täglich Dienst hat. Das erschwert nicht nur die Eingewöhnung, sondern ist auch für einige Kinder sehr belastend, weil sie keine konstante Situation vorfinden (z.B. immer wenn ich in die Krippe komme ist Christine da). Außerdem ist es in den meisten Fällen nicht möglich kurzfristig Zeitfenster für sein Kind anzufragen oder das Kind für einen Tag abzumelden, ohne dass Kosten anfallen.
Kinderkrippen sind vor allem dann eine Option, wenn viele Stunden pro Woche abgedeckt werden müssen, z.B. weil beide Elternteile (vollzeit) Berufstätig sind. Auch eine gute Lösung kann es sein, wenn es sich um eine kleine Struktur handelt (wenige Kinder, kleine Gruppen), die relativ flexibel agieren kann. Leider ist dies nicht an jedem Ort möglich.
Alternativen zur Kinderkrippe
Es gibt unterschiedliche Gründe, warum sich Eltern nach einer Alternative zu einer Kinderkrippe umsehen. Sei es, weil sie nur wenige Stunden Fremdbetreuung benötigen, sei es, weil sie merken, dass ihr Kind die Strukturen einer Kinderkrippe nicht verkraften kann (z.B. häufiger Personalwechsel, große Gruppengrößen). Eine Möglichkeit, die sich anbietet sind Tageseltern. Tageseltern betreuen weniger Kinder und können dadurch häufig individueller auf die Bedürfnisse einzelner Kinder eingehen. Das Umfeld ist familiärer und die Betreuungszeiten können flexibler vereinbart werden.
Das eigene Kind kann jedoch auch zu Hause betreut werden. Oftmals übernehmen Familienmitglieder (Großeltern, Tanten, Onkel,…) diese Aufgabe gerne, für die Kinderbetreuung kann aber auch eine Person stundenweise eingestellt werden. Wird jemand eingestellt, dann sind es volljährige Personen, die auch sozialversichert sind. Anders ist es bei klassischen Babysittern. Oftmals ist dies eine gute Wahl, wenn es sich um vereinzelte Stunden (vor allem abends und am Wochenende) handelt, da häufig Jugendliche und Studierende diese Aufgabe übernehmen. Listen mit eingetragenen Babysittern können bei der Gemeindeverwaltung des Wohnortes angefragt werden, oder unter babysitting.lu. Dort werden nur Babysitter aufgeführt, die eine Schulung absolviert haben.
Auch über Leihgroßeltern kann nachgedacht werden, gerade wenn die Großeltern des Kindes weiter weg wohnen und somit für die Betreuung nicht greifbar sind.
Die Betreuung von Schulkindern
Im schulpflichtigen Alter verändert sich die Betreuungsfrage ein wenig, da unter dem Schuljahr viele Stunden so und so von den Schulzeiten abgedeckt werden. Oftmals müssen nur einige Zeitfenster überbrückt werden, bis zumindest ein Elternteil wieder die Betreuung übernehmen kann. Eine Möglichkeit der Betreuung bieten Schülerhorte (Maisons Relais), aber auch diese sind nicht alternativlos. Auch hier können Familienmitglieder, Leihgroßeltern oder z.B. ein Au-pair (hier auf die gesetzlichen Grundlagen achten!) die stundenweise Betreuung übernehmen.
Bei Kindern im schulpflichtigen Alter ergibt sich oft in den Ferienzeiten Betreuungsbedarf. Ist für eine Familie der Schülerhort nicht die geeignete (oder einzige) Lösung, bieten sich oft „gemischte“ Lösungen an. Die Betreuung kann wechselnd von unterschiedlichen Familienmitgliedern übernommen werden, Familien in der Nachbarschaft können sich bei der Betreuung abwechseln, Babysitter sind häufig vermehrt verfügbar (da sie selbst Ferien haben!) und bei älteren Kindern kommen häufig noch organisierte Ferienwochen (z.B. mit den Pfadfindern, Jugendclub,…) hinzu.
Worauf kommt es bei der Fremdbetreuung an?
Aufgrund des Bedarfs einer Familie wird eine (oder mehrere) Betreuungsform(en) gewählt. Der nächste Schritt besteht darin, einen gewünschten Betreuungsplatz oder eine geeignete Betreuungsperson zu finden (wenn es sich nicht um Betreuung durch Familieangehörige handelt). Achten Sie dabei auf ihr Bauchgefühl, stellen Sie aber auch wesentliche Fragen (diese unterscheiden sich ein wenig, je nach Betreuungsform).
Achten Sie auf:
- das äußere Erscheinungsbild der Kinderkrippe (Sauberkeit, Einrichtung, Spielzeug, Dekoration,….) oder der Raumbedingungen bei Tageseltern (Schlaf- und Spielraum, Sanitärausstattung)
- Anzahl der Betreuungspersonen pro Kind
- Gruppengröße, bzw. Anzahl der zu betreuenden Kinder
- Altersstruktur
- Flexibilität der Betreuung
- Ausbildungsabschlüsse des Personals bzw. der Tageseltern (hier auch Erfahrungen erfragen)
Fragen Sie nach:
- dem Ablauf der Eingewöhnung (und wie flexibel hier agiert wird)
- dem Tagesablauf
- der Art der Mahlzeiten (wer bereitet sie zu?)
- dem Umgang mit Schlafenszeiten (bei Säuglingen und Kleinkindern)
- dem Umgang mit Gewohnheiten des Kindes (Kuscheltier, Schnuller, eigene Trinkflasche, Lieblingsspielzeug,...)
- dem Umgang mit Themen wie Sauberwerden, Schnullerentwöhnung, Selbstständgkeit beim An- und Ausziehen, Hausaufgabenbetreuung,...
- dem pädagogischen Konzept (lassen Sie sich auch etwas schriftlich geben!)
Die Eingewöhnung
Das Thema ist so wichtig, dass ich plane dem einen eigenen Beitrag zu widmen. Eine gelungene Eingewöhnung ist DIE Basis, auf der die weitere Betreuung und auch die pädagogische Arbeit mit dem Kind aufbauen kann. Erfolgt keine Eingewöhnung oder wird, ohne auf die Bedürfnisse des Kindes einzugehen, einem Schema F gefolgt, kann dies das Vertrauen eines Kindes in die Eltern und in Beziehungen insgesamt, schwer erschüttern. Vielleicht weint ein Kind dann irgendwann nicht mehr, aber nicht, weil es eingewöhnt ist, also eine Beziehung zu einer Betreuungsperson aufbauen konnte, sondern weil es resigniert hat, weil es erfahren hat, dass seine Bedürfnisse nicht wahrgenommen werden und sein Weinen nicht gehört wird.
Betreuung außerhalb des Elternhauses kann gelingen und kann für ein Kind auch bereichernd sein, wenn bei der Wahl der Betreuungsform auf die Bedürfnisse des Kindes geachtet wird und die Art der Betreuung an dem tatsächlichen Bedarf einer Familie orientiert ist.
Foto: Maresa Gallauner