Für Sie gelesen: Die Kunst, gelassen zu erziehen
Vor einiger Zeit habe ich von einer Mutter ein Buch empfohlen bekommen, das ich Ihnen heute ein wenig
vorstellen möchte.

Lienhard Valentin & Petra Kunze
Die Kunst, gelassen zu erziehen. Achtsamkeit im Leben mit Kindern.
168 Seiten
Buch mit CD
15 cm × 21.5 cm
Bestellnummer: 9783867811422
18,90 € inkl. 7% MwSt
Eigentlich hatte ich zur Zeit keine freien Leseressourcen, aber der Titel hat mich irgendwie angesprochen. Das aus mehreren Gründen:
- obwohl es auf Grund des Verlags und des Untertitels deutlich einer Denkweise zugeordnet werden kann, die vermehrt bemüht ist den Erziehungsbegriff zu ersetzen (darüber habe ich bereits geschrieben), kommt er prominent im Titel vor
- Erziehung wird als Kunst angesehen, also als etwas, was auf unterschiedliche Weise möglich ist, was keinen starren Gesetzmäßigkeiten folgt, usw.
- wer möchte nicht manchmal gelassener sein können? (betrachten Sie einmal das Cover)
Das Buch ist von der Gestaltung her wie gemacht für Leute, die nicht dazu kommen, viele Seiten am Stück zu lesen. Der Text ist in wenige Hauptkapitel eingeteilt und innerhalb dieser gibt es sehr viele Unterüberschriften, oft nur mit einer halben Seite Text. Das eignet sich hervorragend, wenn man nur einfach so zwischendurch ein wenig lesen möchte, oder beim Lesen vielleicht häufiger unterbrochen wird.
Die Ausführungen der Autoren ist lebensnah und lebendig geschrieben und wird aufgelockert durch Erfahrungsberichte von Eltern und kleinen Übungen, die helfen sollen mehr zu sich, seiner inneren Haltung, Ruhe/Gelassenheit und Aufmerksamkeit zu finden. Dem Buch ist auch eine CD mit Übungen beigelegt.
Es ist ein Buch, durch das man sich also ein wenig „durcharbeiten“ kann, das man aber auch einfach auf sich wirken lassen kann oder das einen anregt über einige Aspekte ein wenig nachzudenken, mit dem Partner/ der Partnerin zu diskutieren oder unter Eltern auszutauschen.
Die Grundaussage des Buchs lässt sich kurz zusammenfassen: Oftmals blockieren uns Gedanken, wie etwas sein sollte so sehr, dass wir gar nicht wirklich wahrnehmen, wie die Situation gerade ist, in der wir uns befinden. Die Autoren plädieren dafür, einen Moment innezuhalten, bevor eine Reaktion erfolgt, weil dieser kurze Moment oft ausreicht, um nicht in ungewollte Handlungsmuster zu fallen. Die Übungen sollen helfen, diese Haltung einnehmen zu können.
Zwei Aspekte sind dabei auffällig:
- Das Buch vermittelt einen anderen Weg, um mit Kindern (und sich) umzugehen, es wird aber immer betont, dass es nun nicht krampfhaft um eine 100%ige Umsetzung geht, schon der Wille etwas zu verändern (z.B. gelassener zu werden) führt oft zu ersten Veränderungen. Das holt den Druck aus der Situation. Es wird immer betont, dass niemand perfekt ist und niemand perfekt sein muss.
- mit Elementen der Meditation und der Achtsamkeitslehre ist das ganze nahe an Buddhistischen Lehren, es werden auch immer wieder Zitate und Geschichten aus diesem Bereich herangezogen. Das kann befremdlich wirken und ist nicht für jeden das Wahre. Aber auch, wenn man sich selbst diesen Lehren nicht verbunden fühlt, bietet das Buch alltagstaugliche Anregungen. Selbst wenn die Übungen nicht durchgeführt werden, das Buch also „einfach nur“ gelesen wird, kann es Denkanstöße bringen – und das ist es, was einem hilft SEINEN Weg in der Erziehung zu finden.
Es werden sehr unterschiedliche Themen angesprochen:
Die Herausforderung des Alltags mit Kindern, die Perspektive des Kindes einnehmen lernen, wie man Ruhe bewahren kann oder Stress vermeiden lernt, was es mit Grenzen auf sich hat und wie die Beziehung zum Kind gestärkt werden kann. Interessant sind auch die Ausführungen aus der Gehirnforschung.
Für mich neu war die Verbindung, die zwischen einigen Ideen Maria Montessoris und Buddhistischen Lehren gezogen wird (diese hier näher auszuführen, würde zu weit gehen). Auf alle Fälle hat mich das ein wenig verwundert. Erste Internetrecherchen haben jedoch gezeigt, dass dies kein Einzelfall ist. Die Haltung dem Kind gegenüber und die Art präsent zu sein, werden unter anderem als Anknüpfungspunkte gewählt.
Mein Fazit
Auch ohne die Übungen zu machen, regt das Buch zum Nachdenken an. Die Gestaltung eignet sich für Menschen, die sagen, dass sie keine Bücher lesen würden, weil sie gar nicht dazu kommen würden so viel zusammenhängend zu lesen.
Ob nun Buddhismus und Meditation für einen ansprechend sind oder nicht, spielt meiner Meinung nach eine untergeordnete Rolle und sollten einen nicht abhalten das Buch zu lesen. Auch ohne diese Zugänge können Reflexionen stattfinden - und darauf kommt es an, wenn man Veränderungen möchte.
Foto: Maresa Gallauner