Spielzeug: Was brauchen Kinder wirklich?

Erziehungsfragen - Blog

Spielzeug: Was brauchen Kinder wirklich?

Von julia am 20/12/2016 - 07:32
Spielzeug

Heilig Abend naht und die Werbeindustrie tut alles, um die unzähligen Produkte an den Mann oder besser gesagt an das Kind zu bringen. In den Postwurfsendungen sind Spielzeugkataloge dabei und viele Kinder blättern diese durch und kreuzen dies und das an, was sie in ihren Augen sooo dringend brauchen würden.

Natürlich machen Eltern, Verwandte und Freunde den Kindern gerne Geschenke, freuen sich über die leuchtenden Augen und die begeisterten Rufe – doch seien wir einmal ehrlich: oft hält der Zauber nicht lange an, das so dringend gewünschte Spielzeug landet unbeachtet im Eck – dort, wo schon gefühlte hundert andere Sachen ihr Dasein fristen.

Unüberschaubare Spielzeugangebot

Bereits für Babys ist das Spielzeugangebot praktisch unüberschaubar. Dabei brauchen Babys nicht viel, um alle Fähigkeiten entwickeln zu können, die in diesem Alter anstehen: greifen, Hand-Auge-Koordination, erstes sortieren, einräumen/ausräumen, Ursache-Wirkung...Dafür benötigt ein Baby eigentlich nicht viel: ein Tuch, das es gut greifen kann ist für das Kind genauso spannend, wie ein Schnuffeltuch mit Tierkopf, ein Holzkochlöffel bietet die selben Erfahrungen wie ein Holzgreifling und zum ein- und ausräumen finden Krabbelkinder im Wohnbereich allerhand, dafür benötigt es keine vorgefertigten Spielzeuge. Soll es etwas bestimmtes, nur für das Kind sein, tut es ein Korb mit Holzwäscheklammern oder Holzringen auch. Anziehend sind für Babys vor allem die bunten Farben der Plastikspielzeuge, weniger die Haptik. Aber Spielzeuge, die bei kleinster Berührung blinken und Musik erzeugen, sind mehr Reizüberflutung als das Kinder dabei Ursache-Wirkungszusammenhänge verstehen – ein Hampelmann bringt da einen größeren Erfahrungswert.

Die Mitbringfalle

Auch wenn ich als Pädagogin das alles weiß, haben meine Kinder (in den Augen von meinem Mann und mir) viel zu viel Spielzeug. Alleine für das oben beschriebene erste Lebensjahr besitzen wir 2 große Kisten Spielzeug, von dem das meiste Geschenke von Verwandten und Freunden ist. Es ist das, was ich als „Mitbringfalle“ bezeichne. Fast jeder, der zu uns auf Besuch kommt, sei es länger oder nur zum Mittagessen, bringt den Kindern etwas mit – es sei ja nur eine Kleinigkeit. Und schon füllen sich die Regale - und der Dachboden, denn wir besitzen mittlerweise z.B. 4 Memoryspiele oder 3 Wackelmännchen. Vielleicht kann man Besuch anhalten, dass vor allem Dinge geschenkt werden, die ständig verbraucht werden, z.B. Zeichenblöcke, Papiere oder andere Materialien zum Basteln (Pfeifenputzer, Perlen, Wolle, Garn,…), Stifte, Malfarben und Pinsel, Straßenkreiden, Klebeband, Bastelkleber, usw. Darüber freuen sich Kinder genauso und es entsteht nicht der Spielzeugüberfluss.

Spielzeug ab dem zweiten Lebensjahr

Im zweiten Lebensjahr beginnt die „richtige“ Spielphase. Kinder fangen an mit Objekten zu spielen und erste „als-ob-Spiele“ und die Sprachentwicklung stehen auf dem Entwicklungsplan. Hierzu eignen sich eine Spielküche, ein Kaufmannsladen, usw. Natürlich können Kinder es auch einfach nebenbei lernen, wenn sie beim Kochen zuschauen oder helfen, wenn man mit ihnen einkaufen geht, usw. Die Möglichkeit selbstbestimmt (möglichst gefahrlos) etwas nachzuspielen hat aber einen gewissen Mehrwert. Das selbe ist dann im 4. Lebensjahr der Fall, wenn das Konstruieren anfängt. Kinder suchen sich ihre Materialien auch im Park oder Wald oder auch in der Küche und das hat für sie einen großen Wert, aber auch Bausteine, Lego oder eine Holzeisenbahn bieten dabei viele Möglichkeiten, die ich keinem Kind vorenthalten möchte.

Die Qual der Wahl

Bei der Spielzeugwahl sollte immer die Qualität vor der Quantität stehen. Besser wenige hochwertige Bausteine als 500 Stück, die nicht ordentlich verarbeitet sind und deshalb nicht gut zu stapeln sind. Die Grundfrage bei jedem Spielzeugkauf sollte sein: wofür interessiert sich mein Kind? Was sind die aktuellen Entwicklungsthemen und welches Spielzeug oder Material ist dafür bestmöglich geeignet?

Spielzeug oder spielzeugfrei

Ich bin nicht gegen Spielzeug. Ich finde spielzeugfreie Phasen, z.B. im Wald oder wenn im Urlaub nicht viel zur Verfügung steht, sehr wichtig, aber ich sehe auch den Mehrwert, den einige kommerzielle Spielzeuge mit sich bringen. Das, was ich bedenklich finde ist der Überfluss, wenn Kinder vor lauter Auswahl gar nicht mehr die Möglichkeit haben richtig im Spiel zu versinken (und damit zu lernen), weil sie immer von A nach B hetzen, alles anfangen und nicht in ein konzentriertes Spiel finden können.

Gerade die Weihnachtszeit ist neben Geburtstagen oft die Zeit, in der viel Neues hinzu kommt. Vieleicht ist es aber auch eine Gelegenheit auszumisten?