Erziehungsfragen - Blog

Die Welt mit Kinderaugen sehen: Rollenspiele

Von julia am 24/01/2017 - 07:54
Superheld

Vielen Erwachsenen sind sie noch in Erinnerung: Rollenspiele, die sie selbst in der Kindheit gespielt haben. Sie waren Prinzessin, Feuerwehrmann, Entdecker oder Drache.

In eine neue Rolle schlüpfen

Ab etwa dem 4. Lebensjahr werden Rollenspiele interessant. Jüngere Kinder verkleiden sich häufig nicht gerne. Sie sind gerade dabei sich selbst zu finden, da ist es unpassend plötzlich wer anderer sein zu wollen (oder im schlimmsten Fall zu müssen, wie es durchaus in der Karnevalszeit zu beobachten ist). Zu beobachten ist jedoch, dass gerade jüngere Geschwisterkinder sich das Verkleiden bei den Großen „abschauen“ und sich deshalb häufig schon früher verkleiden – oft aber eher aus Nachahmung, als dass sie wirklich die Absicht haben in eine andere Rolle zu schlüpfen. Aber auch ohne Verkleidungen schlüpfen Kinder in alle möglichen Rollen. So können sie sich erproben und auch Positionen einnehmen, die sie außerhalb des Spiels nicht haben können. Besonders hervorheben möchte ich in diesem Beitrag so genannte „Machtspiele“, die als Beziehungsspiele zu sehen sind.

"Machtspiele" als Beziehungsspiele

Kindern ist sehr wohl bewusst, dass es einen gewissen Unterschied zwischen Erwachsenen und Kindern gibt, z.B. wer Strukturen vorgibt (z.B. Essenszeiten, Schlafenszeiten, wann müssen wir einkaufen gehen, usw.), Unternehmungen plant (z.B. Urlaubsorte und Zeiten festlegt), usw.. Erwacht das Autonomiebestreben, so ist es für Kinder wichtig, dass sie sich auch wirkungsvoll und stark erleben können. Nicht immer ist das im Alltag möglich, wenn bestimmte Entscheidungen z.B. aus Sicherheitsgründen von Erwachsenen getroffen werden. Auch wenn Eltern bemüht sind Kindern so viele Entscheidungen wie möglich zu überlassen oder sie zumindest mit einzubinden, so haben Kinder den Wunsch die Rollen umzukehren.

Kinder wissen, dass sie spielen

Machtspiele sind oft kleine Situationen, in denen Kinder versuchen in die Rolle des Mächtigen/Erwachsenen zu schlüpfen. Sie stellen sich z.B. in den Türrahmen, sagen es ist abgesperrt und Erwachsene müssen um Durchlass bitten. Sie nehmen die Rolle des Bauleiters ein und geben Anweisungen, wie Mama oder Papa auf der Baustelle zu arbeiten haben. Oder sie sind ein gefährlicher Drache, vor denen sich die Eltern (möglichst theatralisch) fürchten müssen.

Es gibt Eltern, die zögern sich auf solche Spiele einzulassen, weil sie Angst oder Sorge haben, dass Kinder dann anfangen würden ihnen „auf der Nase herumzutanzen“ oder meinen nun „Chef“ zu sein.

Kinder wissen aber sehr genau, dass sie in einer Spielsituation sind. Sie genießen nur eine Auszeit von den üblichen Rollenverteilungen, erproben ihre Führungsqualitäten und erleben ihre Wirksamkeit.

"Machtspiele" führen zur Entspannung

Kinder sind nach solchen Spielen häufig sehr ausgeglichen und auch bereit kooperativ mit Eltern den Alltag weiter zu gestalten. Es entspannt sie zu erleben, dass sie auch über eine Macht oder sagen wir besser eine Selbstwirksamkeit verfügen, auch wenn sie zu diesem Zeitpunkt im Spiel erlebt wurde. Das stärkt ihr Selbstvertrauen und die Beziehung zu den Eltern.

Diese Entspannung geht somit auch auf das Familienleben über.

 

Foto: Maresa Gallauner